ein bisschen von mir

Ich liebe es, zu schreiben. Wenn ich schreibe, werden mir Dinge klar, die ich sonst übersehe. Ich schreibe gerne über alles mögliche, vor allem aber über Gefühle. Über meine Gefühle, die mich sonst oft überfordern. Über meine Ängste und über meine Trauer. Ich kann einfach alles loslassen was ich nicht mehr bei mir haben will. Ich kann dann Worte ablegen und manchmal fühlt es sich so an, als würde ich eine Gewichtsweste ausziehen. Und es gibt eine Sache, die schon lange unsichtbar ist und langsam abgelegt werden will. Ich habe schon relativ früh relativ viel über Identitätskrisen, Selbstfindungsphasen und Zugehörigkeit gehört, gesehen, gelesen. Ich konnte damit bisher wenig anfangen bzw. hab ich das eher als Mythos gesehen und gedacht, ich bleibe dem verschont. Tatsächlich beschäftigt mich mein Heimatgefühl schon lange, nur anscheinend so untergründig und versteckt, dass es mir selbst nicht wirklich aufgefallen ist. Ich fühle mich nicht deutsch. Das ist etwas, was ich nicht erklären oder begründen kann. Es ist eben ein Gefühl. Ich fühle mich syrisch. Ich bin arabisch. Ich spreche kein arabisch. Drei von vier Großeltern sind weiße, deutsche Leute. Viele sagen ich bin natürlich berechtigt mich als arabisch zu identifizieren. Ich selbst sage nie „Ich bin zu einem Viertel arabisch und zu drei Vierteln deutsch.“ Vor allem nicht, weil dann alle denken diese Information würde Ihnen eine Befugnis darüber erteilen mir zu sagen was ich bin und was ich nicht bin. Ich finde es traurig, dass ich kein arabisch kann. Ich will arabisch lernen. Ich war zweimal in meinem Leben in Syrien. Ohne den Krieg säh unser aller Leben anders aus. Was wäre, wenn kein Krieg ausgebrochen wäre? Ich wäre jedes Jahr in den Sommerferien da gewesen. Ich hätte meine Sprache gelernt. Ich hätte meine Menschen kennengelernt. Ich hätte ein anderes Leben gelebt. Der Gedanke daran macht mich traurig.Ich mag es auf deutsch zu reden und zu schreiben und Geschichten zu hören und zu kommunizieren. Ich mag es, dass ich mich hier wo ich aufgewachsen bin auskenne und nie woanders gelebt habe. Ich weiß, dass ich in meiner Zukunft woanders leben werde und ich weiß, dass es mir woanders vermutlich besser geht. Ich wurde schonmal als weiß gelesen und öfter werde ich das nicht. Ich bin in keiner Zwischenwelt, ich fühle mich nicht halb/halb. Ich fühle mich hier nicht richtig. Nicht willkommen. Und doch fühle ich mich hier zuhause. Ich bin dran gewöhnt, ich kann einschätzen wie die Leute ticken und ich fühle mich frei. Paradox? Oder einfach die Lebensrealität sehr vieler. Ich verachte die Politik und ich mag meine Stadt. Solange ich hier bin, werde ich mich zuhause fühlen. Und sobald ich mich anfange zu lösen, wird es kein zurück mehr geben.

von Anonym

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