Glossar
Disclaimer
Dieses Glossar wurde mit einem machtkritischen und gewaltsensiblen Anspruch erstellt. Unser Ziel ist es, Begriffe möglichst diskriminierungssensibel, verständlich und kontextbezogen zu erklären. Gleichzeitig wissen wir, dass Sprache sich verändert und Perspektiven vielfältig sind.
Deshalb erheben die Erklärungen keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Unfehlbarkeit. Wenn dir auffällt, dass eine Erklärung unzutreffend ist, wichtige Perspektiven fehlen oder Formulierungen Gewalt oder Diskriminierung reproduzieren, freuen wir uns über deine Rückmeldung.
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Ableismus
“Ableismus ist eine Diskriminierungsform, die darauf basiert, Menschen, die von einer vermeintlichen Körper-, Psyche- oder Lern-Norm abweichen,strukturell, institutionell und individuell zu diskriminieren.”
Abwehrmechanismus (weißer) | Psychologie / Critical Whiteness
Wenn weiße Menschen mit Rassismus konfrontiert werden, reagieren viele oft mit Abwehr – zum Beispiel durch Leugnen, Rechtfertigen, Schweigen oder sogar Gegenangriffe. Damit schützen sie ihr eigenes Selbstbild und müssen sich nicht mit möglicher Mitverantwortung auseinandersetzen. Das entsteht meist durch gesellschaftliche Prägung und kann durch aktive Auseinandersetzung verlernt werden.
Quelle: DiAngelo, Robin: White Fragility. Why It's So Hard for White People to Talk About Racism. Boston: Beacon Press, 2018.
Adultismus | Diskriminierung
Strukturelle Bevormundung und Abwertung von Kindern und Jugendlichen aufgrund ihres Alters. Adultismus äußert sich in fehlender Beteiligung junger Menschen an Entscheidungen, die sie betreffen, und verstärkt sich in Kombination mit Rassismus und anderen Diskriminierungsformen.
Quelle: Wall, John: Give Children the Vote. On Democratizing Democracy. London: Bloomsbury, 2021.
agender
“Menschen, die sich keinem Geschlecht zuweisen können und/oder wollen.”
Ally, Plural: Allies, Abkürzung von Allyship
“Ally kommt vom englischen Allyship und bedeutet übersetzt Verbündete:r (sein). Allies sind Menschen, die durch eine bestimmte Diskriminierungsform privilegiert, und sich gleichzeitig dieser Diskriminierungsform bewusst sind. Sie verbünden sich mit den Kämpfen von diskriminierten und marginalisierten Gruppen der betreffenden Diskriminierungsform und unterstützen, wo Unterstützung gewollt und gebraucht ist. Evtl. auch gerade durch den Einsatz/die Ausnutzung ihrer jeweiligen Privilegien.”
Antisemitismus | Diskriminierung / Geschichte
Antisemitismus bezeichnet eine Form gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, die sich in Diskriminierung, Verschwörungsideologien und Gewalt gegenüber Jüdinnen und Juden sowie dem Judentum äußert. Er ist historisch tief verwurzelt und in seinen Erscheinungsformen bis heute gesellschaftlich relevant.
Quelle: Rosa Luxemburg Stiftung: Antisemitismus-Definitionen, 2025
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Binär
“Kommt aus dem Lateinischen von bina „doppelt, paarweise“. Binär bedeutet, dass es zwei Pole von einer Sache gibt – ein Entweder-Oder. Gesellschaftsstrukturen werden oft binär eingeteilt. Wer sich geschlechtlich als binär bezeichnet, ist entweder weiblich oder männlich.”
Bodyshaming
“Bodyshaming bedeutet, Menschen bzgl. deren Körper zu diskriminieren. In unserer Gesellschaft werden Körper nach Aussehen, Form, Behaarung etc. normiert. Körper, die diesem normierten Bild nicht entsprechen, werden verunsichert, diskriminiert und mit negativen Markierungen belastet.”
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cis
“Wird (…) klein geschrieben, weil es als Adjektiv genutzt wird. Gesellschaftlich wird suggeriert, es gäbe nur zwei Geschlechter und auch nur zwei Genitalien und man müsse sich da hinein sortieren (lassen). Menschen, die mit Vulvina geboren werden, werden als weiblich markiert. Menschen, die mit Penis geboren werden, werden als männlich markiert. Menschen, für die diese Zuweisung stimmt, bezeichnen sich oft als cis-geschlechtlich und sind binär. Siehe Binär.”
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Dekolonisierung | Theorie / Aktivismus
Politischer und epistemischer Prozess der Rückgabe von Land, Ressourcen, Wissenshoheit und Selbstbestimmung an kolonisierte Völker. Dekolonisierung ist nicht nur metaphorisch, sondern erfordert materielle und mentale Veränderungen und die Demontage kolonialer Machtstrukturen.
Quelle: Tuck, Eve / Yang, K. Wayne: Decolonization Is Not a Metaphor. In: Decolonization: Indigeneity, Education & Society, 1(1), 2012.
Diskriminierung
“Das Wort Diskriminierung leitet sich von dem lateinischen Begriff „dicriminare“ ab und bedeutet so viel wie trennen oder abgrenzen. […]”
Quelle: Holla e.V. – Zentrum für intersektionale Gesundheit (2025), Mythos Jungfernhäutchen. Es gibt kein Jungfernhäutchen, S. 68.
Deprivilegiert/diskriminiert
“Deprivilegiert/diskriminiert zu sein/zu werden bedeutet, dass man auf einer strukturellen Ebene unterdrückt bzw. benachteiligt wird. Das hat zum Beispiel zur Folge, dass die gesellschaftliche Teilhabe viel schwerer ist und gemacht wird als für Privilegierte.”
Diskriminierungssensibilität | Bildung / Praxis
Diskriminierungssensibilität bedeutet erstens, dass man weiß, dass es Diskriminierung gibt, was das bedeutet und was das mit einem selber zu tun hat und zweitens, dass man daran denkt wenn man mit Menschen spricht und mit der Diskriminierung, die es in unserer Gesellschaft gibt umgeht. Diskriminierungssensibilität ist eine erlernte Kompetenz, die aktive Auseinandersetzung mit eigenen Privilegien erfordert.
Quelle: Gomolla, Mechtild / Radtke, Frank-Olaf: Institutionelle Diskriminierung. Die Herstellung ethnischer Differenz in der Schule. Opladen: Leske + Budrich, 2002.
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Empowerment | Bildung / Aktivismus
„Empowerment bedeutet Selbststärkung oder Selbstermächtigung und bezieht sich auf unterstützende Strategien und Maßnahmen im Kontext gesellschaftlicher Machtstrukturen. (…) es geht vor allem darum, zu lernen in Trigger-Situationen im Kontext Diskriminierungs-Erfahrungen handlungsfähig zu bleiben (…).“
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Feminismus
“Heute stehen intersektionale Feminist:innen dafür ein, dass keine Diskriminierungsform durch eine andere ersetzt werden darf und muss. Früher war es die sogenannte Frauenbewegung, die sich gegen diestrukturelle Unterdrückung und Benachteiligung von Frauen aufgelehnt hat. Dies birgt ein binäres, cis-normatives Denksystem und schließt viele Sexismen aus, weshalb heute der Fokus mehr auf dem generellen Fokus gegen patriarchale Gewalt liegt. Der intersektionale Feminismus steht als Bewegung gegen jegliche Form struktureller Gewalt.”
FLINTA*
“Frauen, Lesben, inter*, trans* und agender-Personen also: Menschen, die auf mindestens einer Ebene durch Sexismus diskriminiert werden.”
Quelle: Holla e.V. – Zentrum für intersektionale Gesundheit (2025), ismie mie – Mein Name ist hundert. Muslim-Rooted Intersectional Experience, S. 146.
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Gender Pay Gap
“Der Hinweis auf ungerechte Bezahlung für gleiche Arbeit – aufgrund des Geschlechts.”
Genderung mit Doppelpunkt
“Um alle Menschen anzusprechen und zu benennen, wird (…) die Schreibvariante mit Doppelpunkt gewählt.”
Geschlechteridentität | Identität / Diskriminierung
Die innere, persönliche Erfahrung des eigenen Geschlechts, die von dem bei Geburt zugewiesenen Geschlecht abweichen kann. Geschlechteridentität ist ein Spektrum und unterliegt nicht binaren Normen. Trans* und nichtbinäre Personen erleben häufig spezifische Überschneidungen von Queerfeindlichkeit und Rassismus.
Quelle: Butler, Judith: Gender Trouble. Feminism and the Subversion of Identity. New York: Routledge, 1990.
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Hetero / Heterosexuell
Heterosexuell (oft kurz: „hetero“) beschreibt eine sexuelle und/oder romantische Orientierung, bei der sich Menschen zu Personen eines anderen Gender hingezogen fühlen. In einem binären Verständnis sind damit beispielsweise Männer gemeint, die sich zu Frauen hingezogen fühlen, oder Frauen, die sich zu Männern hingezogen fühlen. Das Wort stammt aus dem Griechischen und bedeutet „anders“ oder „verschieden“.
Sowie bei jeder sexuellen Orientierung, Gender Identität o.ä. liegt es immer in der Definition der Person selbst, wie sich jemand positioniert. Es gibt also keine allgemeine Regel oder Fremdbestimmung in dem Bereich Identität.
Quelle: Holla e.V. - Zentrum für intersektionale Gesundheit
Heteronormativität | Ideologie / Diskriminierung
Gesellschaftliches System, das Heterosexualität als Norm und Standard setzt und alle anderen sexuellen Orientierungen und Geschlechtsidentitäten als Abweichung konstruiert. Heteronormativität verstärkt Queerfeindlichkeit und überschneidet sich mit rassistischen Normvorstellungen.
Quelle: Warner, Michael: Fear of a Queer Planet. Queer Politics and Social Theory. Minneapolis: University of Minnesota Press, 1993
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inter*, inter
“Wird in diesem Kontext klein geschrieben, weil es als Adjektiv genutzt wird. Menschen, die mit »Varianten der Genitalentwicklung« geboren werden, bezeichnen sich oft als inter oder inter*geschlechtlich.”
Intersektionalität
auch: Mehrfachmarginalisierung“Intersektionalität beschreibt die Überschneidung unterschiedlicher Diskriminierungserfahrungen. Die daraus resultierende Vervielfältigung bzw. Entstehung einer neuen Form von Diskriminierung wird als Intersektionalität oder Intersektionalitäts-Erfahrung bezeichnet.“
Quelle: Holla e.V. – Zentrum für intersektionale Gesundheit (2025), ismie mie – Mein Name ist hundert. Muslim-Rooted Intersectional Experience, S. 147.
Institutionelle Diskriminierung | Machtstrukturen / Institutionen
Benachteiligung, die durch Regeln, Praktiken und Strukturen die in den Wurzeln der Institutionen verankert sind und heute noch wirken, auch wenn keine diskriminierende Absicht vorliegt. Institutionelle Diskriminierung betrifft Schule, Justiz, Behörden und den Arbeitsmarkt und produziert systematisch ungleiche Ergebnisse für rassifizierte Gruppen.
Quelle: Gomolla, Mechtild / Radtke, Frank-Olaf: Institutionelle Diskriminierung. Die Herstellung ethnischer Differenz in der Schule. Opladen: Leske + Budrich, 2002.
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Klassismus | Diskriminierung / Machtstrukturen
Diskriminierung aufgrund des sozialen und wirtschaftlichen Status einer Person. Klassismus wirkt durch gesellschaftliche Normen, Sprache und institutionelle Strukturen und überschneidet sich häufig mit Rassismus, Sexismus und anderen Diskriminierungsformen.
Quelle: Watt, Sherry K.: Moving beyond the Talk: From Social Justice Ally to Social Justice Advocate. In: Journal of College Student Development, 48(5), 2007.
Kolonialismus
“Der Kolonialismus beschreibt die Inbesitznahme von nicht eigenem Land und Eigentum. Der Kolonialismus ist geprägt durch die gewaltvolle Übernahme von Ländern, durch die Enteignung von Land und Sprache, ökonomische und kulturelle Ausbeutung, Versklavung und Gewalt. Zwar wurden Länder und Staaten im Laufe des 20. Jahrhunderts für unabhängig erklärt, dennoch sind die Folgen des Kolonialismus bis heute auf struktureller, institutioneller und individueller Basis erwiesen und haben nachhaltige Auswirkungen.”
Konsens
“Konsens heißt Zustimmung, Einwilligung bzw. zu einer Übereinstimmung der Meinungen oder Positionen kommen. In der Praxis allerdings heißt es mehr als das. Zum Konsens gehört zuallererst, dass man weiß, was man will und die eigene Perspektive vertreten kann. Wenn zwei Menschen etwas Unterschiedliches wollen und eine Lösung finden, die von beiden erwünscht ist, dann kommen sie zu einem Konsens.”
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Marginalisierung
“Marginalisierung bedeutet „an den Rand drängen“. Das ist ein Vorgang, der soziologisch und geografisch passiert und vielen Menschen die soziale, politische und wirtschaftliche Teilhabe verwehrt.”
Makro-/Mikroaggressionen
“gr. makrós = groß, gr. mīkrós= klein
Makroaggressionen sind Aggressionen, die sich bspw. als physische, psychische oder verbale Gewalt äußern können. Dadurch, dass Makroaggressionen gesellschaftlich eher als Gewalt anerkannt sind, sind sie oft einfacher zu erkennen und zu benennen.
Mikroaggressionen hingegen vermitteln vor allem die Grundhaltung einer Person. Sie reproduzieren verschleiert eine diskriminierende Grundhaltung. Sie sind schwerer zu erkennen und werden mehrheitsgesellschaftlich selten als Gewalt (an)erkannt. Gesellschaftliche Diskriminierung wird zu großen Teilen durch die permanente Reproduktion solcher Mikroaggressionen aufrechterhalten”
Machtstruktur | Theorie / Gesellschaft
Gesellschaftlich geformtes System, das bestimmten Gruppen systematisch mehr Ressourcen, Einfluss und Handlungsspielräume zuschreibt als anderen. Machtstrukturen sind nicht naturgewachsen, sondern historisch entstanden und politisch reproduzierbar - und damit auch veränderbar.
Quelle: Foucault, Michel: Surveiller et punir. Paris: Gallimard, 1975. [Dt.: Überwachen und Strafen. Frankfurt a.M.: Suhrkamp, 1976]
MIRE
Menschen mit Intersektionalitäts- und Rassismus-Erfahrung. Der Begriff wurde von Souzan AlSabah vorgeschlagen und geprägt. Er wurde als Alternative zu Begriffen wie BIPoC entwickelt, um die vielfältigen Rassismuserfahrungen im deutschsprachigen Kontext sichtbarer zu machen und Menschen einzuschließen, die sich von anderen Begriffen nicht ausreichend repräsentiert fühlen.
Quelle: Holla e.V. - Zentrum für intersektionale Gesundheit
Muslim-Rooted
„Menschen, die durch anti-muslimischen Rassismus diskriminiert sind und muslimische Wurzeln/ eine muslimische Familien Geschichte haben.“
Quelle: Holla e.V. – Zentrum für intersektionale Gesundheit (2025), ismie mie – Mein Name ist hundert. Muslim-Rooted Intersectional Experience, S. 146.
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nichtbinär/nonbinary
„Menschen, die weder ganz klar männlich noch ganz klar weiblich sind, bezeichnen sich oft als nichtbinär/nonbinary.“
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Partriarchat
„Bezeichnet nicht etwa die Herrschaft von Männern, sondern im Ursprung die Herrschaft von Vätern – Patriarchat kommt aus dem griechischen und wird gebildet aus patér (Vater) und archēs (Oberhaupt) bzw. archein (herrschen, der erste sein). Väter bilden die Norm, nach der sich die gesamte Gesellschaft richtet. Im 17. Jahrhundert wurde das Patriarchat als Legitimation einer gottgegebenen Autorität genutzt, die sich von den Vätern auf die Söhne überträgt. Heute wird der Begriff vor allem in feministischen Kontexten weitergedacht und verstanden. Maria Miles sagt dazu: »[H]eute geht männliche Dominanz über die Herrschaft der Väter hinaus und schließt die Herrschaft von Ehemännern, von männlichen Vorgesetzten, von leitenden Männern in den meisten gesellschaftlichen Institutionen in Politik und Wirtschaft mit ein. […] « Das patriarchale Denken basiert darauf, Perspektiven unsichtbar zu machen.“
Privilegien
„Privilegien beschreiben Abwesenheiten von Diskriminierungs-Erfahrungen. Das Wort bezieht sich auf gesellschaftliche Strukturen. Es bedeutet, dass man eigene identitätsstiftende Faktoren gesellschaftlich nicht beweisen muss, dass man strukturellen Druck und Gewalt, welche deprivilegierte Menschen erleben, nicht erlebt. Es heißt nicht, dass man gar keine Form von Gewalt erlebt – es heißt nur, dass man sich mit einer bestimmten strukturellen Unterdrückungsform nicht beschäftigen muss, weil man dadurch eben nicht unterdrückt wird. Privilegien treffen keine Aussagen über das persönliche Schicksal.“
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Queer
„Wir leben in einer Gesellschaft, die hetero- und cis-normativ ist. Menschen, die nicht cis und/oder hetero sind, bezeichnen sich oft als queer. Der Begriff Queer wurde historisch reclaimed (…) und wird mittlerweile oft als Selbstbezeichnung genutzt. Viele Menschen nutzen den Begriff für die Abweichung von einer starren, »straighten« Norm.“
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Rassifizierung
„Es gibt keine menschlichen »Rassen«. Rassifizierung ist eine Markierung, die von außen auferlegt wird. Siehe Rassismus“
Rassismus
„Es gibt keine menschlichen »Rassen«. Das Wort Rassismus beschreibt die strukturelle Diskriminierung aufgrund einer konstruierten »Andersartigkeit«, die weiße Menschen als Norm darstellt. Weiße werden durch rassistische Strukturen privilegiert.„Rassismus ist der Prozess, in dem Menschen aufgrund tatsächlicher oder vermeintlicher körperlicher oder kultureller Merkmale (z.B. Hautfarbe, Herkunft, Sprache, Religion) als homogene Gruppe konstruiert, hierarchisierend bewertet und ausgegrenzt werden. Der klassische Rassismus behauptet eine Ungleichheit und Ungleichwertigkeit von Menschengruppen auf Grundlage angeblicher biologischer Unterschiede. […] Rassismus ist die Summe aller Verhaltensweisen, Gesetze, Bestimmungen und Anschauungen, die den Prozess der Hierarchisierung und Ausgrenzung unterstützen. Sie beruhen auf ungleichenMachtverhältnissen“ (Informations- und Dokumentationszentrum für Antirassismusarbeit e.V.. Glossar. Stichwort Rassismus)“
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Safe Space / Safer Space | Aktivismus / Bildung
Raum, der explizit diskriminierungsarm gestaltet wird, damit marginalisierte Personen sich sicherer austauschen können. Safer statt Safe signalisiert, dass absolute Sicherheit nicht garantiert werden kann, aber Normen und Maßnahmen zum Schutz bewusst etabliert werden.
Quelle: Arao, Brian / Clemens, Kristi: From Safe Spaces to Brave Spaces. In: Landreman, Lisa M. (Hg.): The Art of Effective Facilitation. Sterling: Stylus Publishing, 2013.
Schwarz, groß geschrieben
„Mittlerweile ist es konventionell, bestimmte Adjektive groß zuschreiben, um sie als politische Selbstbezeichnungen kenntlich zu machen. Deshalb wird Schwarz in diesem Kontext großgeschrieben. Es zeigt, dass es sich hierbei nicht um eine Farbe der Haut handelt, sondern um geteilte Erfahrungen, (Über-) Lebensstrategien, Resilienz und Widerstand.“
Sexismus
„Sexismus ist eine Form der strukturellen Diskriminierung aufgrund Markierungen des Geschlechts und/oder des Genitals und/oder der sexuellen Orientierung. Es beschreibt die Vorstellung, dass ein Geschlecht dem anderen von Natur aus überlegen sei. Es gibt unterschiedliche Formen von Sexismen. Susan Arndt deckt im Buch »Sexismus« beispielsweise die binäre Zweigeschlechtlichkeit auf, welche patriarchalische Herrschaft ermöglichtund die Grundlagen für Diskriminierung legt.“
Sexualisierte Gewalt
„Im Kontext Gewalt wird hier nicht das Wort sexuelle sondern sexualisierte genutzt. Hiermit wird verdeutlicht, dass alles, was sexuell ist, konsensuell passieren muss. So wird die Selbstermächtigung von Sexualität im Blick gehalten. Solange es nicht aus freiem Willen passiert und lediglichvon außen zu etwas Sexuellem gemacht wird, bezeichnet man es als sexualisiert. Sexualisierung wird von außen auferlegt.“
Struktureller Rassismus | Machtstrukturen / Theorie
Rassismus, der nicht durch individuelle Absichten, sondern durch gesellschaftliche Strukturen, Institutionen und Normen produziert und aufrechterhalten wird. Struktureller Rassismus wirkt auch dann, wenn keine einzelne Person explizit diskriminieren will.
Quelle: Bonilla-Silva, Eduardo: Rethinking Racism: Toward a Structural Interpretation. In: American Sociological Review, 62(3), 1997.
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trans, trans*
„Wird (…) klein geschrieben, weil es als Adjektiv genutzt wird. Gesellschaftlich wird suggeriert, es gäbe nur zwei Geschlechter und auch nur zwei Genitalien, man müsse sich da hinein sortieren (lassen). (Siehe binär) Menschen, die mit Vulvina geboren werden, werden als weiblich markiert. Menschen, die mit Penis geboren werden, werden als männlich markiert. Menschen, für die diese Zuweisung nicht stimmt, bezeichnen sich oft als trans- oder trans*geschlechtlich und können binär oder nicht binär sein.“
Transition
„Eine Transition ist der Prozess, in dem eine trans* oder trans Person soziale und juristische Änderungen vornimmt, sich äußerlich den Geschlechtsmarkierungen und Geschlechtsmerkmalen angleicht, die gesellschaftlich zum eigenen Geschlecht passen. Das wird oft durch äußere Einflüsse, wie zum Beispiel die Gabe von Hormonen oder auch Operationen, die Anpassung von Namen, Erscheinungsbild usw. begleitet.“
Trauma
„Trauma kommt aus dem altgriechischen und bedeutet übersetzt Wunde. Der Begriff des Traumas und in diesem Kontext der Traumatisierung wird vorallem bei psychischen Wunden genutzt. (…)“
Trigger
„Einen Trigger kann man sich wie eine Berührung einer bereits vorhandenen Wunde vorstellen. Das Wort wird im Trauma-Kontext genutzt und bezieht sich somit auf psychische Wunden. Wer getriggert ist, erlebt den Schmerz der Verwundung oder Traumatisierung, oft wie beim ersten Mal oder schlimmer. Wer sich – um zu heilen – mit eigenen Traumatisierungen beschäftigt, erlebt möglicherweise eine Zeit der besonderen Sensitivität und Empfindsamkeit. Dann kann fast jede Berührung schmerzhaft sein, also vieles kann triggern. Das kann sich durch Empowerment und Heilung verändern.“
Trigger-Warnung / TW
„Eine TW ist eine Vorbereitung darauf, dass im nächsten Moment die Möglichkeit besteht, dass etwas passiert/erwähnt wird, was eine alte Traumatisierung in den genannten Kontexten hochholen bzw. berühren kann. Etwas komplexer wird es dadurch, dass Wunden durch sehr unterschiedliche Worte und Taten getriggert oder berührt werden können. Diese Auslöser sind individuell und deshalb kann nicht jeder Auslöser durch eine vorherige Warnung markiert werden. Insofern sind Trigger-Warnungen in ihrer Funktion eingeschränkt. Der Wert liegt darin, dass Menschen sich zumindest auf bestimmte Trigger vorbereiten können.“
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Umgekehrter Rassismus (Mythos) | Theorie / Rassismuskritik
Die verbreitete, aber falsche Vorstellung, dass Rassismus auch gegen weiße Menschen in gleichwertiger Form existieren kann. Der Mythos verkennt, dass Rassismus an gesellschaftliche Machtstrukturen gebunden ist. Ohne strukturelle Macht ist Diskriminierung kein Rassismus im soziologischen Sinne.
Quelle: Ogette, Tupoka: exit RACISM. Rassismuskritisch denken lernen. Muenster: Unrast, 2017.
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Vulvina
„Vulvina ist eine umfassende Genitalbezeichnung und bereit, alle existierenden Begriffe zu ergänzen, oder auch abzulösen.“
Vulvina beschreibt das gesamte Genital (Vulva -> Außen & Vagina -> innen) und wird von vielen Menschen als Selbstbezeichnung verwendet und ermöglicht einen unbefangenen Umgang. Der Begriff wurde 2011 von Souzan AlSabah unter ihrem Pseudonym Ella Berlin öffentlich vorgeschlagen. -
weiß-sein, kursiv geschrieben
„weiß zu sein heißt, dass man durch Rassismus privilegiert ist. Diese Privilegiertheit hat nichts mit der Hautfarbe zu tun, sondern ist vielmehr ein politischer Begriff. Um dies zu markieren wird der Begriff kursiv geschrieben.“
weiblich/männlich markiert
„In unserer Gesellschaft erfolgt die Einordnung von Menschen häufig anhand äußerer Merkmale in ein binäres System. Dabei gelten bestimmte körperliche Merkmale, Ausdrucksweisen oder Verhaltensweisen als „typisch weiblich“ oder „typisch männlich“ und werden entsprechenden Kategorien zugeordnet. Unabhängig von der tatsächlichen Identität erfolgt somit durch soziale Normen und Erwartungen eine Markierung. „Weiblich markiert“ oder „männlich markiert" zu sein bedeutet in diesem Kontext, dass einer Person durch gesellschaftliche Zuschreibungen Weiblichkeit oder Männlichkeit unterstellt wird – unabhängig davon, wie diese Person sich selbst identifiziert. Diese Markierung ist keine Beschreibung der Identität, sondern Ausdruck eines normativen Systems, das auf Geschlechterdifferenz basiert.“
Quelle: Holla e.V. – Zentrum für intersektionale Gesundheit (2025), Mythos Jungfernhäutchen. Es gibt kein Jungfernhäutchen, S. .